Misteltherapie

Die Misteltherapie stammt aus der anthroposophischen Medizin und wurde von Rudolf Steiner gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegmann entwickelt. Ausgangspunkt der Therapie ist die Beobachtung, dass die Lebensform der Mistelpflanze als Schmarotzer Ähnlichkeiten mit dem Verhalten eines Tumors aufweist. Nach anthroposophischer Überzeugung ist die Behandlung mit einem aus der Weißbeerigen Mistel gewonnenen Extrakt außer bei Krebserkrankungen auch gegen die Sarkoidose sowie gegen Arthrosen und einige weitere Autoimmunerkrankungen wirksam.

Misteltherapie zur Unterstützung der Krebs-Behandlung

Entgegen dieser Ausführungen wird in der heutigen Naturheilkunde die Misteltherapie aber so gut wie ausschließlich als unterstützende Behandlung bei Krebserkrankungen durchgeführt. Die Behandlung mit Mistelextrakten hat inzwischen Einzug auch in Naturheilpraxen gehalten, welche nicht an der anthroposophischen Medizin orientiert sind. Zwischen einer anthroposophischen und einer anderen naturheilkundlichen Behandlungsweise mit Mistelextrakten besteht der auffällige Unterschied, dass nach anthroposophischer Lehre eine Mischung aus im Sommer und im Winter gesammelten Säften der Pflanze zwingend zur Anwendung kommen muss, während außerhalb der Anthroposophie tätige Heilpraktiker den Zeitpunkt der Extraktgewinnung als unwesentlich ansehen. Der wichtigste Inhaltsstoff der Weißbeerigen Mistel ist das Mistellektin-1.

Einspritzen des Mistelextrakts direkt in den Tumor nur durch Arzt

Die Misteltherapie kann sowohl durch Ärzte als auch durch entsprechend ausgebildete Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker durchgeführt werden, wobei ausschließlich Ärzte das Extrakt direkt in den Tumor einspritzen dürfen. Auch ihnen wird allerdings empfohlen, das direkte Einspritzen in den zu behandelnden Tumor nur bei stationär betreuten Patienten vorzunehmen, während sie ansonsten ebenso wie Heilpraktiker die subkutane Einspritzung wählen sollen. Bei einigen Indikationen ist durch Ärzte auch das Einspritzen der Präparate in die Rippenfellspalte oder die Herzbeutelspalte möglich.

Wirksamkeit der Misteltherapie

Über die Wirksamkeit der Misteltherapie werden unterschiedliche Angaben gemacht. Die meisten Studien weisen ihr keine oder nur eine geringe Wirkung bei der direkten Tumorbekämpfung zu. Auf der anderen Seite führt die ergänzende Behandlung mit Mistelextrakten jedoch in den meisten Fällen dazu, dass viele Patienten die ebenfalls durchgeführte Chemotherapie mit deutlich geringeren Nebenwirkungen als bei einer nicht durch Mistelextrakte behandelten Kontrollgruppe überstehen. Aus diesem Grund empfehlen die meisten naturmedizinisch orientierten Mediziner, eine Mistelbehandlung zusätzlich zu einer Chemotherapie durchzuführen.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit der Misteltherapie

Es sind einige Nebenwirkungen beobachtet worden, welche zu einem großen Teil auf allergischen Reaktionen beruhen, so dass ein Allergietest vor dem Beginn der Behandlung mit Mistelextrakten sinnvoll ist. Weitere Nebenwirkungen können Erbrechen oder Durchfall sein; allerdings handelt es sich bei diesen Symptomen um bei einer Chemotherapie ebenfalls recht häufigen Begleiterscheinungen, so dass nicht immer sicher festgestellt werden kann, ob es sich um Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der Mistelbehandlung handelt.

Auffällig ist, dass die Misteltherapie fast nur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein zur Anwendung kommt, während sie in den meisten anderen Ländern nur einer sehr kleinen Gruppe von Ärzten und Heilkundigen überhaupt bekannt ist. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden einige klinische Studien in den USA durchgeführt, ohne dass sich die Therapieform dort durchsetzen konnte.

Private Krankenversicherung erstattet Kosten der Misteltherapie

Die Kosten der Misteltherapie werden von privaten Krankenversicherungen in der Regel getragen, sofern die naturheilkundliche Behandlung Bestandteil des abgeschlossenen Versicherungsvertrages ist. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Misteltherapie grundsätzlich nicht, in sehr wenigen Ausnahmefällen wurde in der Vergangenheit eine abweichende Einzelfallentscheidung getroffen.