Edelsteintherapie

Die Verwendung von Edelsteinen zur Heilung von Krankheiten oder zumindest zur Unterstützung des Heilungsprozesses ist bereits aus der Antike bekannt und wurde von Aristoteles erstmals beschrieben. Die Nonne und Heilerin Hildegard von Bingen hat dieser Therapieform ebenfalls eine sehr große Bedeutung beigemessen. In der Neuzeit war die Edelsteintherapie jedoch für einen langen Zeitraum fast in Vergessenheit geraten, ehe sie die New Age Bewegung während des letzten Drittels des zwanzigsten Jahrhunderts erneut entdeckte.

Die Edelsteintherapie beruht darauf, dass eine von den Steinen ausgehende Strahlung direkt auf den Körper des Trägers einwirke. Als wirksam wird ein Heilstein beschrieben, wenn er auf den zu behandelnden Körperteil aufgetragen oder auch einfach nur als Schmuck getragen wird. Einige Autoren der zur Kristalltherapie zahlreich verfassten Lehrbücher empfehlen das Auflegen der Edelsteine auf die Akupunkturpunkte der Haut.

Häufig wird die Wirkung auch mit einer vom Edelstein ausgehenden Schwingung erklärt, welche mit körpereigenen Schwingungen in Verbindung tritt.
Eine Variante der Naturheilverfahren mittels Edelsteinen besteht darin, den Stein für einige Stunden in ein Glas mit Wasser zu legen und dann dieses zu trinken.
Die auch als Lithotherapie bekannte Edelsteintherapie gehört zu den Grenzgebieten der Naturheilkunde und berührt durchaus bereits den Bereich der Esoterik. Die Bewertung dieser Anwendung durch Heilpraktiker fällt sehr unterschiedlich aus, eine Wirksamkeit wird häufig der Autosuggestion zugeschrieben. Die Lithotherapie ist in sich teilweise unlogisch, so werden einige Mineralien sowohl zur Behandlung von Krankheiten als auch zum Tragen bei Beschwerdefreiheit von Angehörigen bestimmter Tierkreiszeichen empfohlen.

Bei aller Kritik ist aber mit Sicherheit festzustellen, dass durch das Tragen eines Edelsteins keine Nebenwirkungen auftreten können. Zudem ist die Edelsteintherapie relativ preiswert, fast alle relevanten Steine lassen sich zu sehr günstigen Preisen erwerben. Vor wenigen Jahren erregte ein Urteil des Hamburger Amtsgerichtes Aufmerksamkeit, da die Richter die Bezeichnung der Edelsteine als Heilsteine wegen der nicht erwiesenen Wirksamkeit ausdrücklich untersagten.

Gute Ergebnisse erzielten Edelsteine bei einer Behandlung von durch Stress ausgelösten Befindlichkeitsstörungen. Die Ergebnisse werden von Kritikern der Therapieform damit erklärt, dass der Träger durch das Anschauen des Edelsteins zur Ruhe kommen würde. Selbst Befürworter der Edelsteintherapie bestätigen häufig, dass die Wirksamkeit der Heilsteine nur entfaltet werden kann, wenn der Nutzer für diese empfangsbereit ist. Diese Erklärung bietet zumindest eine gewisse Nähe zum Placebo-Effekt. Da das Ziel jeder Behandlung in der Naturmedizin darin besteht, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern, führt die Bewertung der Heilung auf Grund eines solchen Effektes nach den Maßstäben der Alternativmedizin nicht zu einer Abwertung der Methode. Problematisch kann ihre Anwendung nur dann werden, wenn der Patient sich alleine auf die Heilkraft der Steine verlässt und weitere Behandlungsformen ablehnt. In der Regel verstehen Anwender der Lithotherapie den Edelstein aber durchaus als ein den Heilprozess unterstützendes Hilfsmittel und verlassen sich nicht ausschließlich auf dessen Heilkraft.

Schmuckverkäufern ist es eigentlich untersagt, auf die medizinische Wirkung einzelner Steine hinzuweisen. Dieses Verbot wird nicht konsequent eingehalten, dennoch informieren sich die meisten Käufer unabhängig vom Gespräch am Schmuckstand oder im Esoterikladen in der Literatur darüber, welcher Edelstein für ihr Leiden am besten geeignet ist. Einige Heilpraktiker beraten ihre Patienten in dieser Hinsicht.