Blutegeltherapie

Blutegel-Therapie

Die Behandlung mit Blutegeln kommt in einem eingeschränkten Bereich auch in der Schulmedizin vor. Nach einer Hautverpflanzung oder der Transplantation von Zehen, Fingern und Ohren werden Blutegel eingesetzt, damit die Wundheilung verbessert werden kann und die Reimplantate nicht abgestoßen werden. Im Speichel des Egels sind die gerinnungshemmenden Substanzen Hirudin und Heparin vorhanden, welche bewirken, dass angestautes Blut abfließen kann. Des Weiteren wirkt das Hirudin krampflösend.

In der Naturmedizin, in welcher Blutegel auch bei der Behandlung chronischer Gelenkschmerzen zum Einsatz kommen, wird die Wirksamkeit der Behandlung neben dem Aderlass auch durch die Wirkung des Bisses erklärt; des Weiteren sollen die im Speichel der Tiere vorhandenen Substanzen den Heilungsprozess fördern.
Die bei einer Behandlung mit Blutegeln eintretende Nachblutung dient der Reinigung des Blutes und ist somit ein Bestandteil der Therapie.
Eine Behandlung mit Blutegeln wird von vielen Heilpraktikern angeboten.

Geschichte und Entstehung der Blutegeltherapie

In der Medizin des Mittelalters war das Schröpfen ein Allheilmittel und wurde bei so gut wie jeder Krankheit angewendet. Der durch den Blutegel ausgelöste Aderlass sollte den Körper dazu anregen, neues und gesundes Blut zu bilden.
Allerdings war bereits im Mittelalter neben dem Schröpfen mittels eines Blutegels die Verwendung von Schröfpköpfen bekannt.
Die Blutegeltherapie fand Ende des zwanzigsten Jahrhunderts Aufnahme in die Nachbehandlung von Eingriffen in der Plastischen Chirurgie, da sie sich als wesentlich wirkungsvoller als die Verwendung synthetischer Mittel zur Regulierung der Blutgerinnung erwies. Wenn die grundlegende Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, übernimmt sie in diesen Fällen in der Regel auch die Kosten für die Behandlung mit Blutegeln.

In der Alternativmedizin wird heute der Einsatz von Blutegeln ebenfalls auf nur noch wenige Bereiche beschränkt. Als sehr erfolgreich erweist sie sich bei der Kniegelenksarthrose, bei welcher über achtzig Prozent der auf diese Weise behandelten Patienten eine dauerhafte Schmerzlinderung bestätigten. Dieser Erfolg liegt deutlich über den Werten von Schmerztabletten und schmerzlindernden Salben. Weitere Einsatzbereiche der Blutegeltherapie sind Gürtelrosen und Rheuma. Die Behandlung mit Blutegeln ist mit Ausnahme ihres Einsatzes in der Plastischen Chirurgie von gesetzlich krankenversicherten Patienten jedoch selbst zu bezahlen, während private Krankenversicherungen sie als erstattungsfähig anerkennen, sofern die naturmedizinische Behandlung im Versicherungsvertrag vereinbart wurde.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen der Blutegelbehandlung

An den Bissstellen des Blutegels kann es zu mit einem Juckreiz verbundenen Hautreizungen kommen, welche sich entzünden, wenn der Patient sich intensiv kratzt. In einigen Fällen kommt es zu einer Bildung sehr kleiner Narben. Der Speichel des Egels enthält häufig Erreger; ob eine Übertragung auf den Menschen möglich ist, konnte bislang aber nicht abschließend geklärt werden. Es besteht die Empfehlung, jeden Egel nur einmalig zu verwenden und ihn nach der durchgeführten Behandlung zu töten. Da es sich bei Blutegeln nicht um Wirbeltiere handelt, greifen zwar die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes nicht, vielen Naturfreunden ist der Gedanke, dass ein zu ihrer Heilung beitragendes Lebewesen ausgerechnet wegen seines medizinischen Einsatzes sterben muss, jedoch zuwider. Auf der anderen Seite lehnen nicht wenige Patienten den Einsatz von Blutegeln ab, da sie sich vor den Tieren ekeln.

Da eine Blutegelbehandlung zu einer Kreislaufbelastung führen kann, sollte der Behandlungstag möglichst als Entspannungstag begangen werden.
Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollen grundsätzlich nicht mit Blutegeln behandelt werden.